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Dienstag, 10. April 2018

Villa Kunterbunt - ohne Spenden geht es nicht

(aus Volksfreund)

Trier. Die Villa Kunterbunt ist als Nachsorgezentrum für schwer kranke Kinder bundesweit einzigartig. Seit zehn Jahren leitet Dr. Christoph Block dort die Geschäfte. Sein größter Wunsch: weniger Abhängigkeit der Einrichtung von Spenden. Rainer Neubert


Trier. Für den 48-jährigen Kinderarzt Christoph Block ist die Villa Kunterbunt die berufliche Erfüllung - vielleicht sogar mehr. Vor zehn Jahren hat er die Leitung des sechs Jahre zuvor eröffneten Nachsorgezentrums für schwer kranke Kinder übernommen, das überwiegend durch die Spenden von TV-Lesern finanziert wurde. Block gehörte bereits damals als junger Assistenzarzt zum Kernteam der Villa, bei der inzwischen mehr als 2000 Kinder und Jugendliche aus der ganzen Region Hilfe gefunden haben. Das Thema Spenden begleitet ihn bis heute."Mein größter Wunsch für die Zukunft des Hauses ist ein Umstieg auf eine planbare Finanzierung. Dazu müssten die Krankenkassen aber erkennen, dass eine gute Nachsorge hilft, die Kinder zu Hause besser zu versorgen." Mehr als 700 000 Euro Spenden, das sind etwa 90 Prozent des Jahresbudgets, benötigt die Villa Kunterbunt derzeit in jedem Jahr, um ihr umfassendes Angebot aufrechterhalten zu können. "Als Nachsorgezentrum ist sie nach wie vor einzigartig in Deutschland", sagt Block voller Stolz. Außerhalb der Kernaufgaben werde auch viel für die Familien der chronisch kranken Kinder getan. "Wir wollen auch die Eltern und Geschwister auffangen und unterstützen."19 Mitarbeiter kümmern sich derzeit darum: Psychologen, Physio- und Arbeitstherapeuten gehören ebenso zum Team wie Ernährungswissenschaftler, Heil- und Erlebnispädagogen oder eine Fall-Managerin. Die Villa sei trotz der großen Abhängigkeit von Spenden ein Teil des Mutterhauses der Borromäerinnen, erläutert der Geschäftsführer. In seiner Funktion als Oberarzt leistet er in jedem Monat zehn bis 15 Dienste im Kinderzentrum der Klinik. "Ich habe im Grunde vier Berufe", kommentiert der großgewachsene Brillenträger und zählt auf: Zum Arzt und Geschäftsführer komme noch die Aufgabe als stellvertretender Vorsitzender der Villa-Stiftung hinzu. "Außerdem bin ich natürlich Gast auf vielen Veranstaltungen und bei Spendenübergaben dabei."Was bleibt da an Privatleben? "Man muss seine Arbeit lieben", sagt der zweifache Vater, dessen 13- und 15-jährige Töchter mit der Villa Kunterbunt groß geworden sind. "Die gehören mit zum Team", sagt Papa Christoph, der sich in den wenigen freien Stunden mit Laufen und Tennis fit hält. Ins Schwärmen kommt er, wenn er von seinem VW Käfer spricht, der genauso alt ist wie er selbst. Gefahren werde der aber nur bei sonnigem Wetter. Dann sitzt häufig auch seine Frau auf dem Beifahrersitz, die als leitende Kinderärztin beim Gesundheitsamt Trier-Saarburg ebenfalls viel Verständnis für die Begeisterung ihres Mannes für die Villa Kunterbunt mitbringt. "Mir ist es sehr wichtig, dass wir unsere Mitarbeiter so ausbilden, dass sie unserem ganzheitlichen Anspruch gerecht werden", sagt er. Eine seiner wichtigsten Aufgaben sei es aber Spenden einzuwerben. "Da gibt es große Konkurrenz. Eine Naturkatastrophe mit Hilfeaufrufen kann uns schon in Probleme bringen." Spendenaufkommen sei nicht planbar. Leider. Frustriert ist Christoph Block deshalb nicht. "Mein Leben ist einfach schön und abwechslungsreich. Ich treffe sehr viele Menschen, die positiv gestimmt sind, weil sie Gutes getan haben. Nur selten habe ich in den vergangenen zehn Jahren etwas Negatives über die Villa gehört." Und dann seien da natürlich auch noch das tolle Team und die offene Kommunikation mit dem Haupthaus. "Da herrscht Verständnis für unsere Sonderstellung. Bei uns kann wirklich jeder genau erklären, was wir hier machen. Das schätzen auch die Eltern unserer Kinder sehr."Extra


Die Villa Kunterbunt ist ein Nachsorgezentrum für schwer kranke und chronisch kranke Kinder. Das 19-köpfige Behandlungsteam bereitet in Zusammenarbeit mit Ärzten des Mutterhauses der Borromäerinnen die Kinder und ihre Familien auf ihr Leben zu Hause vor. Wie wichtig die Arbeit der Villa Kunterbunt ist, verdeutlicht Dr. Wolfgang Thomas. Er ist seit vier Jahren Chefarzt der Kinder- und Jugendmedizin im Mutterhaus und damit auch der medizinische Leiter der Villa und Vorsitzender des Fördervereins. "In der Villa geht es immer um einen ganzheitlichen Ansatz bei der Behandlung und Therapie. Einen so hohen Betreuungsbedarf kann eine Klinik alleine nicht leisten." Bundesweit gibt es nach Aussage des Chefarztes mittlerweile drei ähnliche Einrichtungen. "Aber in dieser Form wie in Trier ist die Villa Kunterbunt einzigartig." r.n. villa-kunterbunt-trier.de